Tired

so, endlich mal die Zeit gefunden all meine One Shots hierher zubringen...sind ja schon ein paar zusammengekommen... naja...
Genau wie bei den Gedichten gilt, das hier is alles meins, und wenn jemand was klaut gibts Ärger! Ansonsten, man kann ja auch nett fragen, ne?
Über Kommentare freu ich mich natürlich immer.

 

 Aus dem Leben gegriffen...

Du stehst an der Kante und schaust hinüber. Dein Blick klebt an einem Fenster, an den Gestalten die du hinter der verschmierten und zerkratzten Scheibe sehen kannst.
Direkt am Fenster sitzt eine junge Frau. Ihre langen blonden Haare fallen ihr ins Gesicht, in ihren Händen hält sie ein abgegriffenes Taschenbuch. Hübsch sieht sie aus. Und glücklich. Beim Lesen zucken ihre Mundwinkel ein wenig, wird wohl ein lustiges Buch sein.
Wann hast du das letzte mal beim Lesen stumm vor dich hin gelächelt?

Ihr gegenüber sitzt ein alter Mann. Sein Rücken ist krumm und die wenigen weißen Haare verdecken nur einen verschwindend geringen Teil seines kahlen Kopfes. Sein Blick ist wie in weite Ferne gerichtet, und seine faltigen Hände klammern sich um einen hölzernen Wanderstab, der über und über mit metallenen Plaketten übersäht ist. Bestimmt ist er viel herumgekommen in der Welt. Vielleicht denkt er gerade an eine dieser Reisen zurück, während ein Finger behutsam über die Kanten der bunten Stocknägel fährt. Seine Haltung entspannt sich ein wenig, vielleicht ist es ja eine schöne Erinnerung.
Wann hast du dich das letzte mal an etwas Schönes erinnert?

Neben dem Mann sitzt eine ebenso alte Frau, wahrscheinlich gehören die beiden zusammen. Ob sie mit ihrem Mann gereist ist? Oder die Zeit mit einer ihrer Freundinnen zu Hause verbracht hat? Gemütlich beisammen sitzend, vielleicht mit einer Tasse Tee in de Hand? Redend und wartend, dass er wieder nach Hause kommt, und neue Geschichten mit sich bringt?
Wann hast du das letzte mal auf jemanden gewartet?

Auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein vielleicht dreißig jähriger Mann. Auf seinen Knien ruht ein Laptop auf den er fleißig einhämmert. Geschäftig sieht er aus, und wichtig, mit seinem dunklen Anzug und der perfekt sitzenden Krawatte. So sieht einer aus, der weiß was er will, der weiß was er erreichen will und was er dafür tun muss. Seine Augenbrauen sind zusammen gezogen und seine Stirn zeigt erste Anzeichen von bleibenden Falten. Bestimmt arbeitet er hart um seine Ziele zu erreichen, und bestimmt setzt er sich immer wieder neue, höhere Ziele, die er erreichen will. Und das schafft er auch, er ist ein ehrgeiziger Mensch, dass sieht man auf den ersten Blick.
Wann hast du das letzte mal versucht ein Ziel zu erreichen?

Ihm gegenüber sitzt ein junges Mädchen. Sie ist höchstens 12 Jahre alt, ihre Füße reichen noch nicht mal auf den Boden und so wackelt sie fröhlich mit den Beinen. Vielleicht ist es ihr erstes „Abenteuer“ ganz alleine und das Gefühl daran lässt sie kribbelig werden. Ihre Augen wandern neugierig von einem Punkt zum andern und ihr kleiner Körper wippt im Takt ihrer pendelnden Füße ein wenig auf und ab.
Wann warst du das letzte mal aufgeregt?

Das ist schon lange her. Neugierde gehört in eine ältere Zeit, in die Zeit als du noch lächeltest und glücklich warst. Als du noch Hoffnung verspürt hast und schönen Erinnerungen nachhingst, als die Welt noch in Ordnung war.
Doch diese Zeit ist vorbei.

Ein kleiner Blick auf die Uhr, ein Schritt nach vorne. Noch ein Blick zur Seite, dann wagst du den letzten Schritt. Den Schritt über die Kante, den Schritt in den Abgrund. Hinter dir schreit jemand, dein Blick sucht ein letztes Mal das Zugfenster am gegenüberliegenden Bahnsteig. Du siehst die Gesichter, die eben noch nur mit sich selbst beschäftigt waren, siehst ihr stummes Entsetzen. Ein letzter Gedanke durchzuckt dich „Hoffentlich muss die Kleine das nicht mit ansehen“
Dann reißt dich der Zug davon.

 

 

 

 

Todesengel

Ich fliege, meine großen, dunklen Schwingen tragen mich durch die Nacht, durch den Sturm. Die Böen zerren an meinen glänzend schwarzen Federn, der kalte Wind reißt an mir, trägt mich weiter, hoch in den wolkenverhangenen Himmel hinein.
Ein Traum, es ist nur ein Traum! Ruft eine leise Stimme in meinem Kopf.
Doch die Panik hört sie nicht. Angst und Schmerzen durchfluten mich. Da, wieder dieser stechend scharfe Schmerz in meinem Oberkörper. Krampfhaft versuche ich den Winden zu entkommen.
Dann, ganz plötzlich. Ist es ruhig um mich herum, die dunklen Wolken weichen, ein strahlendes Licht nähert sich mir, kommt näher und näher, bis es mein ganzes Blickfeld erfüllt und ich geblendet die Augen schließe.
Eine tiefe Ruhe erfasst mich. Nur ein leichtes Ziehen in meiner Brust, erinnert an die vergangenen Schrecken.
Ein Schatten fällt auf mein Gesicht, eine Hand streicht langsam meinen Hals entlang. Eine kühle, leichte Berührung, fast real...
Mit einem Ruck werde ich wach, meine weit geöffneten Augen starren in das Dunkel neben meinem Bett, an meinem Hals...
Ein Zucken, eine Hand die schnell zurückgezogen wird. Angst pocht in mir, das rasende Trommeln meines Herzens macht mich taub für die Geräusche um mich herum. Langsam beginnen meine Augen sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, wie erstarrt bleibe ich liegen, und langsam enthüllt das Mondlicht eine Silhouette neben meinem Bett.
Ein Zucken durchfährt mich, Angst, Panik, Schmerzen, genau wie vorher in meinem Traum.
Immer mehr entschleiert sich die Dunkelheit vor meinen Augen. Das silbrige Licht des Vollmondes fällt durch mein Fenster und beleuchtet die Gestalt neben mir. Menschlich, männlich, ein kantiges Gesicht, lange schwarze Haare, blasse Haut. Er steht still und ich merke wie mein Herz sich langsam wieder beruhigt und die Angst der Neugier platzt macht.
Mein Blick gleitet weiter, betrachtet das Gesicht, das forschend auf mich hinabblickt. Die Gesichtszüge sind kantig und wirken dennoch sonderbar weich, fast schon unnatürlich blasse, ebenmäßige Haut. – Oder wirkt das nur so durch das Mondlicht? – gerade Nase, sanft geschwungene Augenbrauen. Und dann die Augen. Schwarz, tief, unergründlich. Wie zwei unendlich tiefe Brunnen saugen sie mich auf, lassen mich versinken und ertränken den letzten Rest Angst in mir.
Langsam hebt er wieder seine Hand, lange, schlanke Finger, gepflegte Nägel, und lässt sie sanft meine Wange entlang streichen.
Unter der zarten Berührung muss ich unwillkürlich erschaudern und ich spüre ein neues Gefühl in mir emporsteigen. Nur eine kleine leise Stimmer der Vernunft in mir, hindert mich daran, genießerisch die Augen zu schließen und mich ganz dieser Berührung hinzugeben.
Mein Blick wandert von seinen perfekten Händen wieder hoch zu seinem Gesicht, zu seinen Augen, in denen ich wieder zu versinken drohe.
Langsam gleiten seine Hände weiter, mein Kinn entlang, über meinen Hals, streicheln sanft über die Halsschlagader, die dumpf vor sich hin pulsiert. Längst nicht mehr so schnell wie noch vor ein paar Minuten. Die Panik, die Angst, sind verschwunden, ertrunken in den bodenlosen Teichen vollkommender Schwärze.
Ein anderes Gefühl ist zurückgeblieben, ein sanftes Gefühl innerer Ruhe. Ein Hauch von Frieden durchdringt mich. Ausgelöst durch die zarten Berührungen und die tiefe Ruhe und Kraft, die allein in diesem Blick, in diesen Augen zu liegen scheint.
Sachte streichelnd wandert seine Hand weiter, über mein Schlüsselbein, an meiner Seite endlang, bis seine Hand an meiner Hüfte angekommen ist. Sanft streicht er über meine Haut unter der sich der Hüftknochen empor wölbt. Eine Gänsehaut überzieht meinen Körper, brennend und doch kalt wie Eis.
Und suchend fahren seine Fingerspitzen die zarten Linien entlang. Seinen Blick auf die feinen weißen Narben unter seiner Hand gerichtet.
Ein Hitzeschwall durchflutet mich, ein anderes, bedrückendes Gefühl beschleicht mich. Scham? Hilfesuchend schaue ich wieder zu ihm auf. Eine neue Regung zeigt sich auf seinem vorher so ruhigen Gesicht. Trauer? Schmerz?
Leicht bewegt er seine Lippen, ein Flüstern dringt an mein Ohr, kaum zu hören, nicht mehr als ein leiser Windhauch.
„So viel Schmerz...“
Wieder durchfährt mich dieser unangenehmen Schauer, mein Herz pocht schmerzhaft. Trotz schwingt in meiner Stimme mit, als ich ihn das erste Mal anspreche.
„Wer bist du?“
Sein Blick findet wieder meine Augen, schleicht sich in mich, scheint mich in sich einzusaugen. Ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel. So wunderschön, dass mir fast das Herz stockt, doch schmerzerfüllt zugleich.
Sein Zeigefinger streicht wieder sanft meine Wange entlang. Mit einer fließenden Bewegung sitzt er plötzlich neben mir auf dem Bett, sein Gesicht, seine Augen, so nah...
Meine Augen sind weiterhin stumm auf Seine geheftet, bei seiner Bewegung habe ich noch nicht einmal gezuckt, eine große innere Ruhe hat von mir Besitz ergriffen, der alles egal ist, bis auf die brennenden Berührungen seiner Fingerspitzen und die unergründliche Tiefe seiner Augen.
Sachte umschließen seine Finger mein Kinn, ziehen es ein wenig zu sich heran, währen sein Gesicht immer näher kommt. Jede Einzelheit scheint zu strahlen, vom Vollmond erleuchtet, doch mein Blick klebt weiterhin an seinen Augen, versunken in diesen bodenlosen Teichen tiefster Nacht, in die das Mondlicht glitzernde Sterne zu werfen scheint.
Seine Lippen öffnen sich leicht.
„Ich bin...“
Ganz leise, vernehme ich seine Stimme, sanft und leicht, wie der Kuss den er mir sachte auf meine Lippen haucht. Ein weiterer Blick, so intensiv, dass die tiefen Brunnen in Flammen zu stehen scheinen und ich meine Augen mit einem leichten Zittern schließe.
„...dein Todesengel...“
Wieder treffen seine kühlen Lippen auf meine. Doch diesmal ist es stärker, eine heiße Glut frisst sich durch mich hindurch lässt meine Hand zu ihm hochschnellen und sich mich an ihn pressen. Die Luft scheint zu knistern während unser Kuss immer intensiver wird und unsere Hände verlangend und suchend ihren eigenen Weg gehen. Die Flammen brennen durch meinen Körper, pulsieren in meinen Venen, lassen ihn beben und erzittern. Ein zerstörerisches Gefühl breitet sich in mir aus, bittersüß, tödlich und wundervoll zugleich, während der Schmerz und die Sehnsucht, die überall in mir zu zischen scheinen, sich langsam in meiner Brust, in meinem Herzen sammeln, um es zu durchbohren.
Und während mich der süße Schmerz immer und immer wieder durchzuckt, legen sich langsam seine samtschwarzen Flügel über uns, schützend und tröstlich.
 
 
Am nächsten Morgen wird sie aus dem Haus getragen.
Ein angeborener Herzfehler, sagen die Ärzte, die zu spät kam um das unvermeidliche zu verhindern. Eine Schande, dass das nicht schon früher bemerkt wurde, sagen sie und schütteln empört die Köpfe.
Doch das nützt ihr jetzt auch nichts mehr.
Wenigstens scheint sie keine Schmerzen gehabt zu haben, sagen die Leute vom Rettungsdienst. Noch nie hätten sie eine Tote mit so einem glücklichen Gesichtsausdruck gesehen, sagen sie, und schütteln den trauernden Eltern mitleidig die Hände.
Doch das nützt ihr jetzt auch nichts mehr.
Ob sie gewusst hätten, dass ihre Tochter sich regelmäßig geritzt hat? Auch das verneinen die fassungslosen Eltern.
Doch das nützt ihr jetzt auch nichts mehr.

 

 

Schau hin!

Sieh dich um, schau dich um,
um dich herum, sind Menschen, junge Menschen,
junge Menschen die du kennst, die dir vertraut sind.
Und dann, eines Tages, siehst du genauer hin,
und du siehst es.
Da, an ihrem Arm!
Und an ihrem auch!
Und sie dort!
Du kennst sie zwar nur vom sehen, aber warum trägt sie, die du nicht kennst,
Armstulpen, an einem Arm, am linken?
Und du stehst und schaust, und staunst.
Und wunderst dich, wie du es all die Jahre nicht sehen konntest.
Und dann gehst du nach Hause, in dein Zimmer.
Und du weinst.
Du weinst um sie und du weinst um dich.
Denn du konntest es nur deshalb sehen, weil es die gleichen Muster sind, die auch du trägst.




Run away
 
Ein neuer Tag.
Wieder ein neuer monotoner Tag.
Auf dem Weg zurück nach Hause,
Haus, Heim
„Wo ein Heim ist, da ist auch ein Feuer“
Warm?
Nein, kalt.
Kalte Asche,
Schnee, der wie Asche fällt
kalter Schnee,
weiß, dreckig weiß

laufen, durch die Altstadt,
an den Menschen vorbei,
fröhlichen Menschen,
oberflächlichen Menschen.
Hektisch, gehetzt, keine Zeit.
Ein zeitloses Gefühl erfasst mich,
wie schweben, nur kälter.
Ich dreh mich,
dreh mich langsam um mich selbst,
Menschen strömen an mir vorbei,
ohne mich zu beachten, ohne mich zu bemerken.
Würde sich Unsichtbarsein so anfühlen?
Stimmen, Gemurmel, hektisches Gewisper.
Ein Lachen, laut und übertrieben,
unecht, falsch.
Falsche Gesichter mit unechten Mienen.
Meine Füße frieren, langsam geh ich weiter.
Wie ziellos.
Dabei wissen meine Füße wo sie hin gehen.
Und meine Innerstes weiß es auch,
nur mein Kopf will es nicht wissen.
 
Weiterlaufen,
am Kaufhaus vorbei,
durch die kleine verdreckte Gasse,
auf den kleinen Platz zwischen den alten grauen Häusern.
Ein Baum, kahl und trostlos.
Und da die Bank.
Dunkel, kalt und nass sieht sie aus.
Es stört ihn nicht.
Er sitzt da, so wie immer,
gleicher Platz,
gleiche Position.
Die gleichen schwarzen Haare,
dunkle, löchrige Klamotten,
das gleiche hagere, blasse Gesicht,
mit der gleichen markanten Nase,
rissige, trockene Lippen, so wie immer,
die gleichen dunklen Schatten unter den Augen.
Wie immer, Blick gesenkt, auf die Seiten seiner abgenutzten Gitarre.
Und genauso wie immer, die gleiche rauchig brüchige Stimme.
Er sitzt da, mit seiner Gitarre, spielt und singt,
alleine auf einem leeren Platz,
nur für sich,
er singt nur für sich.
Auch für mich?

Dann endet das Lied,
Schweigen und Stille,
er hebt den Kopf, schaut mich an.
Fixiert mich fest mit seinen grauen Augen

Und ich wende mich ab,
laufe davon,
fliehe.
So wie immer.
Fliehe vor dem Blick aus diesen stahlgrauen Augen,
fliehe vor den Worten die er vielleicht sagen könnte,
fliehe vor dem was sein könnte,
fliehe vor der Zukunft,
fliehe vor mir.
Laufe davon,
nach Hause,
in mein Zimmer.
In meine eigene kleine Welt.
In der alles gut und schön ist.
In der ich zu ihm gehe, ihn ansehe, mich neben ihn setze und ihn bitte für mich zu spielen,
nur für mich.


Listen! And feel the pain inside...

 
Ich spüre die warmen Strahlen der Frühlingssonne auf meinem Gesicht. Höre die Lieder der Vögel, das Plätschern des kleinen Brunnens, das Rascheln der Bäume, das Wispern des sanften, lauwarmen Windes, der mit meinen Haaren spielt und die Büsche zum Flüstern bringt. Ich sitze im Garten, vor unserem kleinen Haus und lasse meine Gedanken kreisen. Um das was war  und um das was ist. Der Schock über das Erlebte sitzt immer noch tief und die Trauer über das Verlorene und das Fehlende stimmen mich traurig. Wieder denke ich an meine Eltern, an meinen Vater der mich schon vor meiner Geburt einfach sitzen gelassen hat und an meine Mutter, die es jetzt genauso macht. Die mich einfach ignoriert und vergessen hat.
Doch meine düsteren Gedanken hellen sich schlagartig auf, als ich Schritte hinter mir höre.
„Hallo Max!“
Spreche ich meinen Freund erfreut an, drehe mich zu ihm um und strecke lachend meine Hand nach ihm aus. Doch er ergreift sie nicht.
„Max?“
Verwirrung macht sich in mir breit doch bevor ich ihn erneut ansprechen kann unterbricht er mich.
„Ja ja, ich bins. Du Katharina, ich muss mit dir reden...“
Die Worte fallen ihm schwer, er druckst herum, weiß nicht was er sagen soll, oder wie. Und mit wachsender Besorgnis spüre ich wie unangenehm ihm das alles hier ist. Bangend lausche ich auf den seltsamen Klang seiner sonst so vertrauten Stimme, bedrückt doch ich meine auch etwas genervtes mitschwingen zu hören.
Wieder will ich nach seiner Hand greifen, doch er geht nicht darauf ein.
Und endlich kommen ihm doch noch die Worte über die Lippen, wegen denen er her gekommen ist. Erleichtert ist er, dass spüre ich sofort und das vorgelegte Bedauern hört sich falsch an.
„Katharina, es ist aus. Ich.. Ich hab da jemanden kennen gelernt und... na ja,.. Ich empfinde halt nichts mehr für dich. Es tut mir leid.“
Entsetzt lasse ich meine Hand, mit der ich eben noch nach seinem Arm greifen wollte, sinken. Tränen quälen sich aus meinen Augen und brennen auf der noch überempfindlichen Haut meines verletzten Gesichtes.
„Max... nein, bitte, sag dass das nicht stimmt! Max! bitte...“
Meine Stimme bricht weg. Ich weiß das es stimmt, er wird mich verlassen, jetzt, gerade jetzt wo ich ihn so brauche! Das kann nicht wahr sein, das DARF nicht sein! Innerlich flehe ich ihn an, nicht zu gehen, mich nicht zu verlassen und mich mit meinem kaputten Leben allein zu lassen. Ohne ihn, ohne seine Hilfe.
Doch seine fester werdenden Worte zerfetzen das kleine Fünkchen Hoffnung in mir und bringen es zum Erlöschen.
„Doch es stimmt. Ich empfinde nichts mehr für dich.“
Fest klingt seine Stimme und an der Kälte und Schärfe seiner Worte beginne ich zu zerbrechen. Erst ist es nur ein kleiner Riss in meiner neuen, kaum verheilten Welt, doch ich weiß, er wird breiter werden, immer größer, mit jedem neuen Tag, den ich ohne ihn verbringen muss.
Ohne seine Hilfe,
seine helfenden Hände,
seine sehenden Augen
und seine erklärenden und beschreibenden Worte die mir seit diesem Unfall meine Umgebung gezeigt haben.
Denn ich bin blind.


Gedanken...
 
Ich denke,
Denke an schöne Tage,
an unbeschwerte Tage, an Tagen an denen man in den Himmel sieht und glücklich ist,
an Tage an denen man den Himmel nicht sehn kann,
an denen die Schatten wie große Wolken auf meiner Seele liegen,
an Tage an die ich nicht denken mag,
an Tage die ich vergessen wollte, vergessen muss...
um meiner selbst willen, um meiner Seele willen,
an Tage, die einem das Herz zerreißen.
 

Ich denke an mein Leben,
an DAS Leben, an leben und leben lassen,
an den Sinn des Lebens und denn Unsinn meines Lebens,
an ein Lebensende,
Fern? Nah?

An verbrannt Haut, eine Spirale, die sich in das Fleisch bohrt, Hitze,
eine einzelne Flamme,
heißes Metall, vom Ruß geschwärzt,
das mehr hinterlässt als nur eine Spur des Rußes,
an Schmerzen, die zu schön sind um sie zu beenden,
an Willenlosigkeit,
Willensstärke, die ich nicht besitze,
an die Nutzlosigkeit mancher Tage, Worte, Gedanken, Taten,
an den Irrsinn dieser Taten,
an Irrsinn, Wahnsinn, bin ich irre?
Bin ich krank? Bin ich krank, weil ich bin wie ich bin? Bin ich normal?
Nein, ich glaub nicht.
Aber was glauben die andern?
Welche andern?
Ist das wichtig?
Nein, ich glaub nicht

Irrsinn... schönes Wort, irre und sinn...
Hat das leben einen Sinn? Hat mein Leben einen Sinn?
Unsinn...Irrsinn... Wahnsinn...
Sinn...
Sinnlich...
Schön...
Bin ich schön? Ist das was ich tue schön?
Was ist an verbrannter Haut schön?
Oder ist es die Erinnerung an den scharfen Schmerz, an den Gleichmut, an den Irrsinn...
Ist es das was es schön macht?
Was ist Schönheit?
Was ist es?
Was ist es, was einen am Leben hält?
Was ist es, was einen glücklich macht?
Was ist es, was einen vergessen lässt?
Was ist es?
Wo ist es?
Und... was bin ich?



Just a little moment

Gehen,
vorbei gehen,
vorüber gehen.
Vorüber gehen, ohne anzuhalten.
Die Gedanken nur bei dir.
Bei einem Menschen den ich nicht kenne,
dessen Namen ich nicht weiß,
dessen Alter ich nicht zu erraten vermag,
dessen Familie ich nicht kenne,
dessen Geschichte ich nie gehört habe.
Du stehst da,
verloren, zerbrechlich, hilflos.
Wie gern würde ich dich in Schutz nehmen,
beschützen vor der ganzen Welt,
dich fragen, ob ich dir helfen kann,
ob ich dir weiter helfen kann,
auf deinem Weg,
dessen Anfang und Ende ich nicht sehen kann.
In deinem Leben,
deiner Geschichte.
Doch,
wenn ich jetzt stehen bleibe,
mich langsam zu dir umdrehe,
dir in die Augen schaue und auf dich zugehe,
erzählst du mir dann deine Geschichte?



Kennst du das?

Kennst du das?
Kennst du diesen Traum?
Diesen Traum, der dich plötzlich im Schlaf überrascht?
Ohne Vorwarnung?
Der dich überrennt und dich in ein dunkles Loch zu werfen scheint?
Plötzlich, ungewollt.

Kennst du das?
Kennst du diesen Alptraum?
Diesen Traum nur in schwarz und weiß,
gefüllt mit Formen die sich langsam bewegen,
gleichgültig verschieben,
dich mitschieben ohne das du dich wehren kannst?
Wehrlos, hilflos.

Kennst du das?
Kennst du diesen Angsttraum?
Diesen Traum, voller Stimmen?
Diese gleichgültigen Stimmen?
Die Stimmen deiner Eltern, Freunde und Geschwister?
Die dich verurteilen, dich anreden als wärst du nichts wert?
Als wärst du es nicht wert zu leben?
Wertlos, unwürdig.
Kennst du das?



Rufe in der Stille

Da liegt sie,
ruft nach mir,
mit leiser Stimme,
mit unhörbaren Worten,
die sich trotzdem tief in mich fressen,
flüstert nach mir,
wieder mal,
säuselt leise,
verspricht Dinge, dessen Weite ich nicht ertagen kann,
ertagen will,
die mich zerstören werden,
Stück für Stück,
Kein Zurück?
Und nach denen ich mich dennoch sehne,
so sehr sehne...

Kalt und warm,
zart und fest,
weich und hart.
Gegensätze, die aufeinander prallen
Und sich wunderschön vereinen,
sich in einem wunderschönen Gefühl verlieren,
wunderschön und tödlich zugleich,
bittersüß.
Scherzhaft für die Seele,
für alles...?

Zerrissene Seele,
blutende Seele,
zerschnittene Seele.
Es schmerzt.
Sogar die Sehnsucht schmerzt.
Nachgeben?
Wiederstehen?

Schmerzen, Verlassenheit, Einsamkeit, Leere, Kälte,
Gefühle, zu viele.
Zu viele Gefühle, die ich nicht tragen will,
nicht tragen kann.
Tränen, weinen, trauern.
Trauern um meine Seele,
um meine Seele, die mit einem heisern, gebrochenen Schrei dem stummen Rufen der Klinge antwortet.
 

Weinen...

Weinen.
Weinen, Tränen fließen lassen,
schluchzen,
verkriechen,
innerlich erfrieren,
und wissen, dass du glücklich bist.
Dass du glücklich bist,
da wo du jetzt bist,
gelehnt an die Schulter,
nach der ich mich jetzt sehne.
Ich sehne mich,
nach den Armen, die dich streicheln,
nach dem Mund, der deinen Namen flüstert,
nach den Lippen, die Deine zärtlich berühren.
Ich sehne mich danach,
und weiß doch das es falsch ist.
Ich seh doch wie gut es dir tut!
Meine Augen sehn es,
doch mein Herz will es nicht mit ansehn,
schaut weg,
verschließt sich,
um zu weinen.
Zu weinen, wenn es niemand sieht,
wenn du es nicht siehst,
denn du bist glücklich.

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